Über Figurenspiel in der Pädagogik

 

Die Figur als als Medium

Der Einsatz von Puppen als Medium im pädagogischen Alltag hat völlig zurecht eine sehr lange Tradition. Im Spiel mit der Puppe fällt es Kindern leichter, ihre Emotionen und Gedanken preis zu geben. So beschreibt auch Günther Böhmer, ehemaliger Direktor der Puppentheatersammlung in München, die immense Wirkung von Handpuppen auf Kinder:

„Dank der beinahe völligen Identität von Hand und Puppe wird eine sehr eindringliche, im wahrsten Sinne zupackende Wirkung erzielt.“[1]

Betrachtet man die Entwicklung eines Kindes, fällt auf, dass es bereits sehr früh beginnt, seine Außenwelt aus eigener Spielfreude heraus in sogenannten Symbolspielen zu kopieren, zu verändern und damit zu verarbeiten.[2] Einerseits tritt es dabei selbst als Akteur auf, andererseits verwendet es Materialien oder fertige Figuren für sein Spiel und agiert durch, beziehungsweise mit diesen. Demnach sollte dem Spiel mit Materialien und Figuren aus pädagogischer Sicht eine große Beachtung geschenkt werden.

So schreiben der Diplom-Psychologe Prof. Dr. Wolfram Ellwanger und Prof. Dr. Arnold Grömminger, Hochschullehrer für Grundschuldidaktik, über das Puppenspiel als pädagogisches Hilfsmittel:

„Die Puppe als „Spielpartner“ des Kindes wird zum Bild unbewußter, oft konflikthafter Strebungen und Zustände, und die Spielhandlung – als spontanes, ungeplantes Umgehen mit der Puppe oder als bewußte Gestaltung einer Spielszene – wird zum äußeren Abbild eines inneren Geschehens.“

Somit erhalten Pädagog*innen durch die Kommunikation mit Kindern mithilfe von Puppen einen besseren Einblick in das Innenleben der Heranwachsenden.

 

Emotionalität, soziale Beziehungen und Konflikte

Elemente aus dem Figurentheater können also genutzt werden, um einen besseren Einblick in die Gefühlswelt der Kinder zu erlangen. Ihre Sorgen und Wünsche erreichen über die geschaffene Welt, in der die Figuren leben, die reale Außenwelt. Diese geschaffene Spielwelt bietet dem Kind unzählige Möglichkeiten zum „Probehandeln“.[3] Während diesem spielerischen Agieren können neue Gedanken umgesetzt und Handlungen ausprobiert werden, die zunächst die Konflikte der Figuren lösen sollen. Daraus entstandene Lösungsstrategien kann das Kind gleichzeitig aufgreifen und nachvollziehen, um sie später in seiner eigenen, realen Welt anzuwenden.[4]

Das Spielen einer oder mehrerer Figuren gibt dem Kind also die Möglichkeit, eine andere Perspektive einzunehmen und dadurch auch Zusammenhänge und Dynamiken des sozialen Handelns besser zu begreifen. Eine solche Übernahme der Perspektive beschreibt der Bayerische Erziehungs- und Bildungsplan als „Schlüssel zu sozialem Handeln“[5]. Sie ist somit für die positive Entwicklung eines Kindes im Bildungsbereich Emotionalität, soziale Beziehungen und Konflikte von höchster Bedeutung.

 

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[1] Böhmer, Günter: Puppentheater, München 1977, S.7.

[2] Vgl. Ellwanger, Wolfram, Grömminger, Arnold: Das Puppenspiel – Psychologische Bedeutung und pädagogische Anwendung, Freiburg 1989, S.9.

[3] Ellwanger, Grömminger, Freiburg 1989, S.10.

[4] Vgl. ebd.

[5] Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Staatsinstitut für Frühpädagogik München: Der bayerische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung, Berlin 2012, 5. Auflage, S. 174.